TBT-Gift in der Schiffsfarbe erregt öffentliches Interesse
Greenpeace-Aktion gegen "Queen Elizabeth 2"
Bremerhaven - Erfolg im Kampf gegen das Umweltgift TBT: Nach
einer mehrstündigen Protestaktion von Greenpeace beim Einlaufen des
Kreuzfahrtschiffes "Queen Elizabeth 2" im Hafen von Bremerhaven hat
der Reeder des Schiffes, Cunard Lines, seinen Verzicht auf die
Verwendung von TBT-Farben erklärt. Die Cunard-Vertreter Steve Storey
und Willy Kristiansen sicherten Greenpeace nach einem Gespräch
schriftlich zu, dass der weltberühmte Luxusliner bei dem 2001
fälligen Neuanstrich von seinem giftigen TBT-Altanstrich befreit und
vollständig mit TBT-freier Farbe lackiert wird.
Der Verzicht auf TBT-Farben gilt auch für die beiden anderen
Ozeanriesen der Cunard-Line und wird möglicherweise auch auf die
gesamte Flotte der Cunard-Muttergesellschaft ausgedehnt. Für das
sofort nötige Ausbessern des TBT-haltigen Unterwasser-Anstriches der
"QE2" will Cunard prüfen, ob Alternativfarben ohne TBT bereits jetzt
aufgebracht werden können.
Die Einigung war zu Stande gekommen, nachdem über 50
Greenpeace-Aktivisten den Ozeanriesen am Eindocken gehindert hatten.
Die Umweltschützer hatten im Hafenbecken vor Dock 1 der Lloyd-Werft
Dutzende, mit "Stoppt TBT!"-Fahnen beflaggte Schwimminseln und Kanus
ins Wasser gelassen. Als Schlepper das 290 Meter lange Schiff in
Richtung Dock ziehen wollten, sprangen zusätzlich vier
Greenpeace-Schwimmer ins Wasser und trieben rund 200 Meter vor dem
Heck des Schiffes. Daraufhin mussten die Schlepper stoppen, die
"Queen" musste trotz des hohen Zeitdrucks an der Kaimauer festmachen.
Weltweit wird der Einsatz von TBT-Schiffsfarben stark kritisiert.
Die Internationale Meeresorganisation der Vereinten Nationen (IMO)
berät ab Montag in London über ein weltweites TBT-Verbot ab 2003.
Widerstand dagegen leisten vor allem die internationalen Reeder, die
Chemieindustrie und einige Großflaggen-Staaten.
Regierungsvertreter aller Länder der Welt treffen sich vom 15.-26. November im Rahmen der Hauptversammlung der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) in London, um über ein
weltweites Verbot des giftigen Antibewuchsmittels TBT (Tributylzinn)
zu entscheiden. "Das Gift TBT muss schnellstens verboten werden, denn
es ist in der Lage, in das Hormonsystem von Tieren und Menschen
einzugreifen und dieses zu schädigen", warnte
WWF-Meeresschutzexpertin Patricia Cameron. Der WWF fordert die
deutsche Delegation bei der IMO-Hauptversammlung auf, sich für das
TBT-Verbot einzusetzen.
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