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Samstag, 18. November 2017

Nachricht vom 16.03.2017 12:08 Wetterspiegel auf Twitter folgen.

Am Montag ist kalendarischer Frühlingsanfang - doch die Natur richtet sich nach dem Wetter

Wann fängt der Frühling wirklich an?

Pflanzenwelt als Indikator

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Im Südwesten blühen die Forsythien - der Frühling hält tatsächlich Einzug! [Bildrechte: Shutterstock] 

Ein Blick auf die Entwicklung der Pflanzen gibt uns Aufschluss darüber, wie weit der Frühling tatsächlich fortgeschritten ist. Dazu wurden bestimmte Zeigerpflanzen ausgewählt, deren Entwicklungsstand durch ein Netz ehrenamtlicher Beobachter im gesamten Land registriert wird. Das Jahr wird dafür in zehn phänologische Jahreszeiten eingeteilt, für die bestimmte Ereignisse ausgewählter Pflanzenarten stehen. So beginnt der Vorfrühling mit der Blüte von Schneeglöckchen, Schwarzerle und Salweide. Blühen die Forsythien und zeigen sich die ersten Blätter der Stachel- und Johannisbeeren, sind wir dann im sogenannten Erstfrühling angekommen. So geht es weiter durchs Jahr, bis das Ende des Laubfalls den Beginn des Winters markiert. So zeigt sich, dass Beginn und Ende der Jahreszeiten mehr oder weniger stark schwanken, beeinflusst durch die Witterungsabfolge und damit auch dem Wärme- und Feuchtehaushalt der Böden.

Frühling kommt von Südwesten

Nicht nur über die Jahre hinweg, sondern auch geographisch verläuft die Entwicklung verschieden: Das blaue Band des Frühlings flattert von Südwesten nach Deutschland, wie uns die Erhebung der phänologischen Daten über die Jahre hinweg deutlich zeigt. Über die burgundische Pforte zwischen den Vogesen und dem französisch-schweizerischen Jura findet die milde Luft aus mediterranen Gefilden gewöhnlich den Weg in in unsere Breiten. Dies lässt sich gut veranschaulichen am Beginn der Apfelblüte, die schließlich den Beginn des Vollfrühlings anzeigt. Im langjährigen Mittel beginnt sie am Oberrhein bereits um den 10. April, im nördlichen Rheinland etwa fünf Tage später, während man in der norddeutschen Tiefebene bis Ende April/Anfang Mai auf die ersten Apfelblüten wartet. An den Küsten ist es sogar erst Mitte Mai soweit und am spätesten sind die Apfelbäume in den Kammlagen der Mittelgebirge dran, wo sie erst Ende Mai ihre Blüten öffnen.

Wieso dauert es im Nordosten länger als im Südwesten?

Zum bereits angesprochenen Weg der Warmluft über die burgundische Pforte und das Rheintal kommen weitere Aspekte: Der Nordosten befindet sich näher an den großen, winterkalten Landmassen Sibiriens und kommt öfter und ausgiebiger in den Genuss der Luftmassen aus diesen Gebieten. Zudem wirken sich  niedrigerer Sonnenstand und die kürzere Tageslänge im Winterhalbjahr dämpfend auf die Entwicklung im Norden aus. Wasserflächen brauchen bekanntlich länger als Landmassen, bis sie sich erwärmen. Dies dämpft die Tageshöchsttemperaturen in Küstennähe gerade im Frühling oftmals erheblich, vor allem bei auflandigen Winden. Aufgrund der Temperaturunterschiede zwischen Wasser und Land bilden sich im Norden im Frühling auch häufiger Tiefdruckgebiete und dadurch dichte Wolkenfelder, welche die Sonne abschirmen und ebenfalls die Erwärmung dämpfen, während der Süden schon deutlich länger in den Genuss von störungsfreiem und wolkenarmen Hochdruckwetter kommt.

Frühling braucht fast einen Monat auf seinem Weg durch Deutschland

All diese Faktoren sorgen dafür, dass der Frühling etwa 30 Tage braucht, um Deutschland von Südwest nach Nordost zu durchschreiten. Aktuell beginnt gerade im Südwesten und Westen entlang von Rhein, Main, Neckar und Ruhr mit der Forsythienblüte der Erstfrühling, während in den höchsten Lagen der ostdeutschen Mittelgebirge erst vor einer Woche mit dem Schneeglöckchen der Vorfrühling Einzug gehalten hat.

Wichtiger Indikator für die Landwirtschaft: Die Grünlandtemperatursumme

Vor allem in der Landwirtschaft ist dieser Wert von großer Bedeutung. Er markiert den nachhaltigen Vegetationsbeginn und wird berechnet, in dem alle positiven Temperaturmittel ab Jahresbeginn zusammengezählt werden, im Januar halbiert, im Februar mit dem Faktor 0,75 multipliziert und ab 1. März dann voll. Wird im Frühjahr ein Wert von 200° Celsius erreicht, können die Pflanzen wieder Stickstoff aus dem Boden aufnehmen. Der Landwirt weiß, dass er genau dann seinen Dünger zum Einsatz bringen muss. Man sieht, dass die meisten der phänologischen Zeigerpflanzen der Erwärmung folgen. Auch die Grünlandtemperatursummenschwelle schreitet von Südwest nach Nordost und vom Tal auf den Berg fort. Im Südwesten wurde der Wert von 200° Celsius bereits innerhalb der letzten Woche erreicht (in Mannheim beispielweise am 8. März), während sie in Waren in Mecklenburg-Vorpommern erst bei 121,2° Celsius liegt.

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