Köln/Oberpaffenhofen - Wissenschaftler des Deutschen Zentrums
für Luft- und Raumfahrt (DLR) beobachten weltweit
Vulkanausbrüche und deren Folgen für die Umwelt per Satellit aus
dem Weltraum. Auch wenn in den vergangenen Tagen
insbesondere der Ätna im Licht der Öffentlichkeit stand, so führt
der Ausbruch des Vulkans Majon auf den Philippinen am 26. Juli
2001 zu einer wesentlich größeren und dauerhafteren
Umweltbelastung. Anders als beim Ätna ist dieser Vulkan wegen
seiner explosionsartigen Ausbrüche für seine unmittelbare
Umgebung weitaus gefährlicher, und er ist auch in der Lage,
bedeutende Schwefeldioxidmengen in die obere Troposphäre bzw.
untere Stratosphäre einzubringen, wo die Verweildauer wesentlich
länger ist.
Inzwischen hat das DLR aus Oberpfaffenhofen die ersten Daten
des europäischen Umweltsatelliten ERS-2 und des GOME-
Sensors (Global Ozone Monitoring Experiment) für den Majon
ausgewertet. Sie zeigen eine wesentlich höhere
Schwefeldioxidkonzentration in der Umgebung des Philippinischen
Vulkans als am Ätna. Lagen dort die Spitzenwerte bei dem etwa
15fachen Wert der Hintergrundkonzentration, so ergab die
Auswertung eines Satellitenüberflugs kurz nach Beginn der
Eruption des Majons bereits eine bis fast 20fach höhere
Konzentration an Schwefeldioxid als üblicherweise. Da der Vulkan
eine mehr als zehn Kilometer hohe Aschewolke produzierte, wurde
das emittierte Schwefeldioxid auch mit großer Wahrscheinlichkeit
in höhere Atmosphärenschichten eingebracht. Da diese Wolke
jedoch auch die Sichtbarkeitsbedingungen für den
Satellitensensoren verschlechtert hatte, kann vermutet werden,
dass die Messungen zu eher geringeren Schwefeldioxidmengen
geführt haben, als tatsächlich in die Atmosphäre verbracht wurden.
Beruhigung und Entwarnung am Ätna
Die jüngsten Satellitendaten zur SO2-Konzentration in der
Atmosphäre des Mittelmeerraumes lassen den Schluss zu, dass
die momentane eruptive Phase des Ätna zu Ende geht. Nach wie
vor zeigen sich deutlich erhöhte Konzentrationen in südöstlicher
Richtung des Vulkans, jedoch wurde in den letzten Tagen eine
Abnahme der Emissionen beobachtet. Gegenüber den
Spitzenwerten zwischen dem 25. Juli und dem 27. Juli hat sich der
Ausstoß auf rund ein Drittel reduziert. Aufgrund der seit Tagen
vorherrschenden Windrichtung wurde Schwefeldioxid hauptsächlich
nach Süden bzw. Südosten transportiert. Dabei geriet kurzzeitig
auch die Ferieninsel Malta in die Zugstraße der Vulkanemissionen.
Einheimische und Urlauber vor Ort dürften davon jedoch kaum
etwas mitbekommen haben, da die Abgase sich weiterhin
größtenteils in einem Niveau von mehreren Kilometern über dem
Meeresniveau bewegen. Bei weiterer Beruhigung des Ätnas wird
sich das injizierte Schwefeldioxid in den nächsten Tagen in der
Atmosphäre nach und nach auflösen. Mit bleibenden
Umweltschäden in der Region ist derzeit nicht zu rechnen.
Ausbruch des Pinatubos führte 1992
zu weltweiter nachweisbarer Abkühlung
Ein prominenter Nachbar des philippinischen Vulkans Majon ist der
Pinatubo, der 1991 mit einem spektakulären Ausbruch eine
gewaltige Menge an Schwefeldioxid in die untere Stratosphäre
zwischen zwölf und zwanzig Kilometer schleuderte. Das im Laufe
weniger Wochen daraus entstandene Sulfataerosol konnte binnen
mehrerer Monate nach dem Ausbruch weltweit mit Messgeräten
nachgewiesen werden, so auch mit einem flugzeuggetragenen
Laserinstrument des DLR über Nordeuropa. Die Eruption des
Pinatubo sorgte dann 1992 für eine merkbare globale Abkühlung
um Zehntelgrade. Ein derartiger Einfluss der Schwefelwolke des
Majon ist jedoch bisher nicht zu befürchten, da dessen eruptive
Phase bisher nur von kurzer Dauer war.
Diese Seite gefällt Ihnen?
Klicken Sie auf einen der nebenstehenden Buttons, um Sie zu Ihren bevorzugten Favoritenseite hinzuzufügen.
Alle auf dieser Site zur Verfügung gestellten Informationen sind urheberrechtlich
geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung nicht weiterverwendet werden.
Bitte beachten Sie auch unser Impressum und unsere AGB.