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Freitag, 14. Dezember 2018

Lexikoneinträge für den Buchstaben T

Tornados
Tornados, die heftigsten Windsysteme der Erde, sind im Unterschied zu den bis zu 1000 Kilometer Durchmessererreichenden tropischen Wirbelstürmen, den "Hurricans" oder auch "Taifunen", meist nur einige Dutzend Meter breit. Ihr schlauchartig von mächtigen Gewitterwolken bis auf denErdboden herabreichender Sturmrüssel erinnert an den rotierenden Wasserstrudel, der nach dem Herausziehen eines Badewannenstösels über dem Abfluß entsteht.
Tornados sorgen in Begleitung von heftigen Gewittern stets dort in den USA für Angst und Schrecken, wo ein Tiefdruckgebiet auf sehr warme Luftmassen trifft. Dabei kommen verschiedene, mögliche Entsstehungsursachen zum Tragen:
Entweder prallt trockenheiße Wüstenluft an der sogenannten"Dry-Line" auf Meeresluft, die sich zuvor über dem Golf von Mexiko mit Feuchtigkeit vollgesogen hat. Und weil sich die trockene Wüstenluft im Bereich von emporschiessenden Gewitterwolken mit zunehmender Höhe zunächst rascher abkühlt, als die feuchte Warmluft, entstehen in derAtmosphäre auf engstem Raum große Temperaturunterschiede. Starke Höhenwinde können dadurch mit großem Schwung relativ kalte Luftpakete über Teile der feucht-warmen Luftschichten hinwegschieben.
Eine zweite Möglichkeit, die zur Entstehung von Tornados oder"Twisters" führen kann, besteht darin, daß kalte Luft von den weiten Prärien Nordamerikas mit stürmischem Wind direkt auf feuchte Warmluft trifft und diese aufgrund ihres Schwungs - trotz ihrer größeren spezifischen Dichte - in einiger Höhe zunächst überströmt. Dies geschieht innerhalb sogenannter "Superzellen", gigantischen Gewitterwolken, die sich zu riesigen Clustern zusammenschließen und dabei - wie ein Minitief - sogar eine eigene zyklonale Zirkulation ausbilden können. D.h. die aufsteigenden Wolkenmassen geraten zusätzlich in eine Rotationsbewegung.
An den Stellen, an denen die vom Boden emporquellende Warmluft nun in der Höhe von kälterer Luft überströmt wird, durchbricht sie den Kaltlufteinschub schlagartig. Dabei entsteht ein gewaltiger, aufwärts gerichteter Sog-Strudel, - der Tornado ist geboren! Die Windgeschwindigkeit innerhalb der kreisenden Luftsäule seines Rüssels kann weit über 400 Stundenkilometer erreichen! Und durch das plötzliche Hochsaugen der Luft entsteht am Erdboden auf engstem Raum und binnen Bruchteilen von Sekunden zugleich ein starker Unterdruck, der bis auf zwei Drittel des normalen atmosphärischen Luftdrucks fallen kann.
Lange Zeit ging man davon aus, daß dieser enorme, in aller kürzester Zeit auftretende Druckverlust, Hauptursache für die verheerenden Schäden entlang der Zugschneise eines Tornados sei. Da die eingeschlossene Luft nicht schnell genug entweichen kann, so jene These, explodieren die gerade in Nordamerika häufig sehr leicht gebauten Häuser von Innen heraus, bevor sieder zerstörerischen Gewalt des Sturms endgültig zum Opfer fallen.- Inzwischen haben empirische Untersuchungen jedoch bewiesen, daß es tatsächlich allein die gigantischen Kräfte des Windes im Tornadorüssel sind, welche die katastrophalen Schäden auslösen.
In den USA unterscheidet man Tornados - ähnlich wie Hurrikans - in 5 genau festgelegten Intensitätsklassen. Diese Intensitätsklassen werden mit F-1 bis F-5 bezeichnet. Dievergleichsweise "harmlosesten" Twister, "F-1-Tornados", durchmessen nur wenige Dutzend Meter und lösem sich meist schon nach wenigen Minuten wieder auf. - Die heftigsten dieser Wirbelstürme, "F-5-Twister" können Durchmesser von mehreren Hundert Metern erreichen, wobei die Windgeschwindigkeiten innerhalb der rotierenden Sturmsäule nach der Skala mindestens 419 Stundenkilometer erreichen. Sie können aber auch leicht 500 Stundenkilometer übersteigen.
Kein Wunder also, daß entlang der Zugbahn eines ausgewachsenen F-5-Tornados kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, Autos, Boote, ja sogar kleinere Flugzeuge werden wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt und oft erst kilometerweit entfernt wieder aufgefunden. - Während die USA jährlich von rund 800 dieser gefährlichen Wirbelstürme heimgesucht werden, treten hierzulande im gleichen Zeitraum meist nur ein bis zwei vergleichsweise harmlose "Windhosen" auf. - Aber auchTornados der Klassen F-2 und F-3 wurden in Deutschland schon beobachtet. So richtete z.B. ein F-3-Tornado im Jahre 1969 in der Nähe von Pforzheim Millionenschäden an...
Es muß davon ausgegangen werden, daß bei weiterfortschreitender Erwärmung der Erdatmosphäre, wie sie durch den immer noch viel zu hohen Eintrag von CO2 nach allen Klimavorhersagemodellen zu erwarten ist, die Zahl und die Wucht derartiger Stürme nicht nur weiter zunehmen wird, sondern daß sich auch ihre Verbreitung auf Regionen ausdehnen wird, die bisher verschont geblieben sind. - In den amerikanischen Bundesstaaten Kansas und Oklahoma gilt die Tornadoserie vom 3. Mai 1999 als die gewaltigste seit Beginn der Aufzeichnungen: So entstanden allein an der Gewitterfront dieses Tages innerhalbweniger Stunden weit über 50 Tornados, deren heftigster, ein riesiger F-5-Tornado, ausgerechnet die Stadt OKLAHOMA-CITY traf und Dutzende von Menschenleben forderte...
Daß Tornados in Deutschland nur selten auftreten, liegt an den im Vergleich zu den USA hierzulande weitaus geringeren Temperaturgegensätzen. Wetterlagen, die in Deutschland zu Tornados führen können, sind stets mit starken Gewittern verbunden.


Die Fujita-Tornado-Skala stuft Tornados in 5 Klassen:

Wind

Bezeichnung

Schäden

Häufigkeit

F0

unter 118km/h

leicht

starke Schäden an Gebäuden, zahlreich Bäume stürzen um

29%

F1

über 118km/h

mäßig

schwere Schäden an Gebäuden, Schneise durch Waldgebiete

40%

F2

über 180km/h

stark

verheerende Schäden an alle Bebauungen

24%

F3

über 253km/h

verwüstend

ganze Häuser werden zerstört

6%

F4

über 332km/h

vernichtend

Vernichtung ganzer Ortschaften, Schiffe werden hunderte von Metern weit geworfen, aktute Lebensgefahr für Mensch und Tier

2%

F5

über 418km/h

katastrophal

selbst tonnenschwere Flugzeuge und Schiffe werden hunderte von Metern geworfen, akute Lebensgefahr für Mensch und Tier, Vernichtung fast aller Gebäude

unter 1%

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